Das Ergebnis

Am nächsten Tag warteten wir gespannt auf den versprochenen Anruf. Als der am Nachmittag nicht da war, riefen wir im Krankenhaus an. Dort teilte man uns mit, dass heute leider keine Ergebnisse gekommen sind, wir aber dann am darauffolgenden Tag einen Anruf bekommen werden.

Am nächsten Tag warteten wir wieder bis zum Nachmittag. Als ich schon wieder im Krankenhaus nachfragen wollte, kam der Anruf.

Ich sah sofort auf dem Display die Nummer des Krankenhauses. Meine Frau ist vor Nervosität aufgesprungen und hat das Haus verlassen.

Der nette ältere Arzt von der Fruchtwasserentnahme war am Telefon.
Als der Satz mit „Leider muss…..“ anfing, wurde mir schlecht und wahrscheinlich war ich auch Kreide bleich.

Meine Frau beobachtete mich durch das Fenster und sah sofort, dass was nicht stimmt. Als ich Trisomie 18 bei einem männlichen Fötus hörte, schüttelte ich mit dem Kopf und meine Frau verstand sofort auch ohne, dass sie ein Wort gehört hatte und brach in Tränen aus. Zum einen hatte ich gerade die schreckliche Diagnose erfahren und zusätzlich sogar noch das Geschlecht unseres Kindes.

Der Arzt erklärte mir dann was ich sowieso schon aus dem Internet wusste und wir vereinbarten für den nächsten Tag (ein Freitag) ein Gesprächstermin um die nächsten Schritte zu besprechen.

Als mein Sohn meine Frau weinen sah, hatte er wohl 1 und 1 zusammen gezählt und fragte sofort, ob etwas mit dem Baby im Bauch nicht stimmt.

Wir haben ihm dann erklärt, dass das Baby im Bauch tot krank ist und es nicht lebend auf die Welt kommen wird. Auch er hat angefangen zu weinen, denn er hatte sich ebenfalls sehr auf sein Geschwisterchen gefreut.

Als meine Frau sich vom ersten Schock erholt hat, hat sie sofort im Internet sämtliche Foren und Webseiten zu diesem Thema abgeklappert.
Ich las mir nur nochmal die Wikipedia Seite zum Edwards Syndrom durch.

Zu mehr war ich nicht in der Lage. Ich bin eher der verdränger Typ.
Meine Frau eher der mitten-durch-immer-bis-aufs-Detail-informierte Typ.

Die Fruchtwasser Unterschung

Zum vereinbarten Termin in der 16. Schwangerschaftswoche fanden wir uns im Krankenhaus ein und kamen auch sofort dran. Eine kürzere Wartezeit habe ich vorher im Krankenhaus noch nie erlebt.

Ein sehr netter Arzt begrüßte uns und teilte uns mit, dass er bereits in Rente sei, aber dennoch weiterhin Vorlesungen in der Uni gibt und im Krankenhaus seinen großen Erfahrungsschatz bei Fruchtwasser Untersuchungen an jüngere Ärzte weitergibt. So gleich, kam auch ein zweiter wesentlich jüngerer Arzt hinzu.

Die Fruchtwasseruntersuchung ist ziemlich harmlos. Ganz anders als wir uns dies vorgestellt haben.
Zuerst erfolgt wieder eine Ultraschall Untersuchung. Auch hier war alles zufriedenstellend. Danach sticht der Arzt an einer, vorher mit dem Ultraschall lokalisierten Stelle, mit einer langen Nadel in den Bauch.
Die Nadel ist sehr dünn und war für meine Frau nicht schmerzhaft.
Sobald die Nadel die Gebärmutter erreicht hat, wird sie herausgezogen und ein flexibler ungefährlicher Plastikschlauch verbleibt in der Gebärmutter.
Hierdurch wird dann das Fruchtwasser abgesaugt. Nach 2 Minuten war alles vorbei und wir konnten uns anziehen und nach Hause fahren.

Der Arzt teilte uns mit, dass die Trisomie Ergebnisse und die Geschlechtsbestimmung bereits am nächsten Tag da sein werden und man uns anrufen will…..

Der erste Verdacht

In der 12. Schwangeschaftswoche untersuchte die Frauenärztin mit Ultraschall meine Frau und das Kind. Als sich die Stirn der Ärztin runzelte und sie konzentriert auf den Bildschirm starrte, ahnte meine Frau bereits, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Als Sie nachfragte bekam sie die die Diagnose „vergrößerte Nacktransparenz„. Was natürlich ein Indiz ist, dass ein Chromosomen Fehler vorliegt.
Für uns brach natürlich da schon eine Welt zusammen. Wir machten uns natürlich Gedanken, was ist, wenn wir ein behindertes Kinde bekommen. Wollen wir das? Was bedeutet das? Was hat das für Auswirkungen, nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere gesunden Kinder?

Die Frauenärztin bestellte meine Frau dann einige Tage später wieder zur Ultraschall Untersuchung ein um ihre Diagnose nach einmal zu kontrollieren.
Bei dieser erneuten Untersuchung sah auf einmal wieder alles OK aus. Dennoch bekamen wir eine Überweisung ins Krankenhaus, wo mit einem besseren Ultraschall Gerät noch einmal kontrolliert werden sollte.

Aber auch hier bekamen wir ein unauffälliges Ergebnis mitgeteilt.
Trotzdem empfahl uns der Arzt im Krankenhaus eine Fruchtwasser Untersuchung vornehmen zu lassen um alle Zweifel auszuräumen. Außerdem wäre das ohnehin, auf Grund des Alters meiner Frau, ratsam.
Wir haben uns natürlich in der Zeit zwischen der 1. Diagnose und dem Krankenhaus Besuch genug Gedanken machen können und uns vorher schon für eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden.
Auf den Termin mussten wir allerdings noch ein paar Wochen warten.

Allerdings erfüllten uns die Ultraschall Ergebnisse wieder mit Zuversicht.
Und zumindest ich war mir sicher, dass alles OK ist.

Die ersten Wochen

Wir haben bereits 2 gesunde Kinder. Dennoch hatte meine Frau vor der ersten Geburt 1x und vor der zweiten Geburt 2x eine Fehlgeburt in den ersten Schwangerschaftswochen.
Daher waren wir auch diesmal wieder ziemlich nervös vor jeder Ultraschall-Untersuchung. Bei der ersten Vermessung des Kindes bekamen wir sogar die Information, dass es etwas zu klein ist. Daraufhin sollten wir nach 5 Tagen wieder kommen. Die Zeit bis dahin war natürlich sehr schlimm, weil wir dachten, dass wir das Kind wieder verlieren würden, da es bei den Fehlgeburten ähnlich anfing.
Zum Glück kam dann bei der 2. Messung die Nachricht, alles groß genug.
Nun fing auch der Bauch an zu wachsen und man sah die Schwangerschaft mehr und mehr.

Nach 3 Monaten haben wir dann unseren Familien und Freunden von der erneuten ungeplanten aber glücklichen Schwangerschaft erzählt.

Leider konnten sich nicht alle mit uns freuen. Einige sind mit Ihrem aktuellen Familienleben und der Anzahl an Kindern anscheinend überhaupt nicht glücklich und können sich überhaupt nicht vorstellen, dass wir uns auf ein 3. Kind freuen. Und dann auch noch in diesem „Alter“ von meiner Frau.

Eine sogenannte „Freundin“ hat meiner Frau sogar zur Abtreibung geraten. „Sie solle lieber das Leben auf der Couch genießen, als wieder anfangen Windeln zu wechseln“. Unglaublich aber wahr.

Es gab aber auch andere Menschen, die sich mit uns gefreut haben und uns Mut gemacht haben, dass wir das locker schaffen. Und natürlich haben wir es uns immer auch selbst zugetraut.

So vergingen die ersten Wochen…..

Wie alles begann

Am Anfang steht natürlich das schwanger werden. Dies ist bei uns eigentlich eine lustige Geschichte, denn es war gar nicht geplant. Wir haben bereits 2 Kinder und meine Frau und ich haben mit über 40 Jahren eigentlich mit der Familienplanung abgeschlossen.
Meiner Frau ist zwar aufgefallen, dass die Periode überfällig ist, aber sie brachte dies lediglich mit den bevorstehenden Wechseljahren in Verbindung. Erst als mir auffiel, dass sich ihr Dekolleté deutlich üppiger darstellte als vorher brachte sie das zum nachdenken.
Ja, ihr war schlecht gewesen. Das war aber genau zu der Zeit, als wir uns zu einer kleinen Kreuzfahrt auf der AIDA befanden und sie das mit dem Schaukeln des Bootes in Verbindung brachte.
Am nächsten Morgen haben wir dann einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke geholt und siehe da, POSITIV!

Positiv im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wir hatten es zwar nicht geplant, wir waren aber beide überglücklich und haben uns sofort gefreut.

Was ist Trisomie 18 / Edwards Syndrom?

Eine gute Erläuterung findet man bei Wikipedia.

Auszug:


Das Edwards-Syndrom (Trisomie 18), auch E1-Trisomie oder Trisomie E genannt, ist eine durch das dreifache (trisome) Vorliegen von Erbmaterial des 18. Chromosoms verursachte Behinderung auf der Grundlage einer Genommutation, die nicht ursächlich heilbar ist und zu vielfältigen körperlichen Besonderheiten führt. Das Syndrom zählt derzeit zu den chromosomalen Aberrationen, die mit einer überdurchschnittlich hohen Sterblichkeit der Kinder während der Schwangerschaft und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 6 Tagen verbunden sind.


Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Edwards-Syndrom